Selbstverständnis und Aufgabenbild einer Tourismusorganisation haben seit ihrer „Erfindung“ einen kurvigen Weg beschritten. Einst geschaffen mit einer starken Ausrichtung auf Gästebetreuung, gefolgt von der Metamorphose zur regionalen Werbeagentur, spannt sich der Bogen hin zum Serviceanbieter für die eigenen Leistungsträger. Ein Dauerbrenner ist die Frage der Verantwortung der Destination als Freizeitwirt.

Neben der Servicierung der Leistungsträger im Verbandsgebiet kommt über die letzten Jahre der Aufgabe der Produktentwicklung als Kompetenz einer Destinationsorganisation (wieder) ein besonderer Stellenwert zu. Wie den Marken-Machern bekannt ist, reicht für den touristischen Erfolg nicht nur die Bekanntheit als Ort oder Region. Es braucht auch Begehrlichkeit, die durch Spitzenerlebnisse und -produkte erzeugt wird.

Zunehmend tritt hier in Destinationen die Frage auf, wie weit oder eng der eigene Kernauftrag zu fassen ist. Die Köpfe in den Gremien rauchen an folgender Gretchenfrage: soll die Tourismusorganisation die Rolle der Konzeption und Vernetzung von touristischen Freizeitinfrastrukturen einnehmen oder auch Eigentümer- und Bewirtschaftungsaufgaben für geschaffene Erlebnisse schultern? Das förderalistische System in Österreich führt dazu, dass dieses Thema und dessen Finanzierung legistisch in unterschiedlichster Weise und in oft mangelhafter Klarheit geregelt ist.

Jenseits gesetzlicher Anhaltspunkte zeigt sich aus der Praxis zunehmend folgendes Rollenverständnis zur Entwicklung und Bewirtschaftung touristischer Freizeit-Infrastruktureinrichtungen:

  1. Tourismusorganisationen agieren in erster Linie als Service-Provider für das System, jedoch nicht als freizeitwirtschaftlich ausgerichtete Unternehmungen.
  2. Kooperation über die Regionsgrenzen hinaus entlang von Dienstleistungsketten prägt die Arbeit, nicht das auf eigene Territorien begrenzte Bespielen von Freizeiteinrichtungen.
  3. Trotz der fortschreitenden, österreichweiten Strukturoptimierung der Tourismusverbandslandschaft durch Reorganisation und Vergrößerung bleibt deren Schlagkraft in vielen Fällen überschaubar. Aus budgetärer Sicht haben Verbände zumeist zwar Ressourcen für Innovation und Koordination der touristischen Freizeiteinrichtung. Nicht jedoch für deren nachhaltige Entwicklung und Bewirtschaftung.


Im Gegenzug rückt die Verantwortung und Einbindung der Gemeinden sowie großen regionalen Infrastrukturplayer, allen voran der Bergbahnen, wieder in den Vordergrund. Um dieser Aufgabe langfristig gerecht zu werden bedarf es auch hier der Kooperation und Vernetzung über Ortsgrenzen hinweg sowie einer hohen Unterstützung und Wertschätzung der Freiwilligenarbeit.

Die unterschiedlichen Rollen und Aufgaben in diesem System aus Tourismusverband, Gemeinde und Infrastrukturbetrieben sind in vielen Regionen nicht klar definiert und artikuliert. Es lohnt daher, als Region diesen Schritt anzugehen, um seine Potentiale für Produktinnovation und -entwicklung anhand klarer Prozesse voll ausspielen zu können.

- von Mag. (FH) Manuela Wiesinger


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